Jan Cermak

Erfolgreicher Abschluss eines sonnigen und heissen Gigathlon-Weekends

   Medienberichte von Jan Cermak zum Gigathlon 2010

Die 9. Austragung des Gigathlons führte erstmals ins Emmental. Diverse Strecken des ersten Tages lagen somit direkt vor meiner Haustür in meinem Trainingsgebiet. Dieser Umstand motivierte mich natürlich sehr, auch bei meiner 8. Gigathlon-Teilnahme top vorbereitet am Start zu stehen. Auch organisatorisch brachte der "Heim-Gigathlon" so einige Vorteile: wir konnten zu Hause übernachten und die Doppelwechselzone in Langnau lag in Fussdistanz von unserer Wohnung.

Erstmals in der Gigathlon-Geschichte wurden die Teilnehmenden und Supporter ausschliesslich mit Shuttle-Zügen und -bussen transportiert. Das ausgeklügelte Transportkonzept wurde von der BLS, die den Gigathlon als "Official Partner" unterstützt und den Organisatoren in monatelanger Arbeit konzipiert. Somit habe ich mich nicht nur aus sportlicher sondern auch aus beruflicher Sicht mit dem Gigathlon intensiv im Vorfeld befasst.

Am Samstag mussten wir schon um 3 Uhr aus den Federn. Gestartet wurde mit der Inline-Etappe in Thun nämlich schon um 5 Uhr, so dass wir ganz nach dem diesjährigen Motto "catch the sun" der aufgehenden Sonne entgegen nach Langnau fahren konnten. Der diesjährige Anlass versprach mit total 450 km und 7900 Höhenmetern wieder eine zähe Sache zu werden. Hinzu kam noch das sehr hochsommerliche Wetter.

Meine diesjährige Vorbereitung lief nach Plan. Ich hatte einen guten Formstand und war auch mental sehr gut eingestellt auf den Wettkampf am 10. und 11. Juli. 9 von 10 Strecken habe ich im Vorfeld abgefahren. Mein gutes Gefühl täuschte mich nicht, die wichtige Startetappe mit den Inlineskates nach Langnau lief mir hervorragend. Ich habe mir vorgenommen, schön verhalten zu starten, denn die 39 km lange Strecke war sehr anspruchsvoll und mit ein paar giftigen Steigungen gespickt. Es gab also genug Gelegenheit sich schon viel zu früh zu verheizen. Ich freute mich über die vielen Zuschauer, die schon zu so früher Stunde am Strassenrand standen. In Zäziwil hatte ich meinen persönlichen Fanclub, der mich anfeuerte. Trotz meinem defensiven Start erreichte ich Langnau locker an 24. Stelle

Die Bikestrecke führte via Lüderen-Churzeneigraben-Lushütte-Hochänzi zurück nach Langnau. Die aufgehende Sonne und die Berner Alpen bildeten ein grandioses Panorama und machten beste Werbung für das Emmental. Ich kannte jeden Stein auf der Strecke und hielt an meinem Vorsatz, nicht allzu stark zu forcieren fest. Im Aufstieg zur Lüderen fuhr ich gemeinsam mit einem alten Gigathlon-Kollegen. Wir hatten uns schon lange nicht mehr gesehen und unterhielten uns über unsere familiäre Situation. Das tönte dann so: "Hey Guido, wie gsehts bi dir so us mit Beziehig?", "Bi vürhüratet!", "Nei, machsch Witze?", "Nei, würklech wahr."...Gigathleten sind eigentlich keine Konkurrenten sondern eher Leidensgenossen. Am Gigathlon zählt grundsätzlich das Durchkommen und nicht jede einzelne Sekunde. Kurz vor dem Hochänzi musste das Bike gestossen werden. Als ich wieder aufsitzen wollte, hatte ich plötzlich Krämpfe in den Oberschenkeln. Mir war nicht klar wieso, denn ich habe mich im Vorfeld sehr gezielt ernährt und habe auch seit dem Start genügend getrunken. Jedenfalls musste ich nun in den weiteren Aufstiegen etwas Druck von den Pedalen nehmen. Es war eine ungemütliche Situation, denn ich habe nicht so früh schon mit solchen Problemen gerechnet. 

In Langnau wurde ich vom Speaker und den vielen Zuschauern frenetisch empfangen. Darob vergass ich, meine Supporterin zu bitten, mir meine Beine zu lockern. Dass die Beine immer noch verkrampft waren, bemerkte ich dann wieder schmerzlich auf dem Rennrad und zwar schon Ausgangs Langnau. Ich war mir nicht sicher, ob ich die anstehenden Berge überhaupt noch zu fahren im Stande sein werde. Auf der Fahrt nach Sörenberg und über den Glaubenbielenpass fing nun auch die Hitzeschlacht an. Die Sonne meinte es zu gut mit uns und brannte erbarmungslos vom Himmel. Ich musste in den Aufstiegen darauf achten, kleine Gänge zu treten, damit sich meine Krämpfe in Grenzen hielten. Fuhr ich einmal mit einem zu grossen Gang in die Steigung, waren die Krämpfe sofort da und blieben so lange, bis ich in flacheres Terrain kam. Dennoch kam ich ohne grosse Probleme den Glaubenbielen hoch. Nun war mir klar, dass ich sicher bis Interlaken kommen werde, aber ob ich mit diesen Beinen noch die abschliessende Laufstrecke mit ihren unzähligen Auf- und Abstiegen überstehen werde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Nach der schönen Abfahrt bis Giswil erwartete uns eine sehr steile, von der prallen Sonne aufgeheizte Rampe, die nach Lungern hoch führte. Prompt waren die Krämpfe wieder in den Oberschenkeln zugegen...

Die 3 km lange Schwimmstrecke im 24°C warmen Lungernsee waren ein echter Genuss. Tiefblau und ruhig lag der See vor uns und am liebsten wäre ich ohne Neopren reingesprungen.

Danach ging es nochmals aufs Rennrad und via Brünig nach Interlaken. Bevor ich aufs Rad stieg, hat mir mein Betreuer die Beine gelockert. Der Brünig war zum Glück nicht mehr allzu steil, so dass ich zwar langsam aber flüssig vorwärts kam.

In Interlaken angekommen, benötigte ich eine etwas längere Pause, denn meine Beine mussten  nun wirklich gelockert werden. Ich hatte grossen Respekt vor dieser Lauf-Etappe, die unglaublich hart zu werden versprach: 31 km und 960 Höhenmeter mit giftigen Auf- und Abstiegen erwarteten uns. Ich lief wieder mit meinem Kollegen Guido aus der Wechselzone. Zuerst gabs 5 flache Kilometer vom Flugplatz Interlaken bis nach Unterseen. Die Sonne brannte nun in der Nachmittags-Hitze gnadenlos vom Himmel. Nicht nur trinken war wichtig, sondern auch die Abkühlung des Körpers. Es hatte entlang der Laufstrecke viele Zuschauer, die uns mit Wasser versorgten und uns mit dem Gartenschlauch abspritzten. Ich nahm jede dieser Gelegenheiten dankbar an. Bald merkte ich, dass meine Beine gar nicht so schlecht waren. Die Krämpfe jedenfalls waren nicht mehr da. Dass ich nun auch in regelmässigen Abständen vor mir liegende Single-Athleten überholte, motivierte mich zusätzlich. In den sehr steilen Aufstiegen musste ich zwar auch marschieren und die steilen Treppen waren eine Tortur, aber ich rannte sehr regelmässig und schonte mich nicht in den Abstiegen, die ebenfalls stark einfuhren. So kam ich in ein richtiges "Runner's High" und lief euphorisiert dem Tagesziel in Thun entgegen. Kurz vor Thun erwartete mich ein Kollege, der ein paar Kilometer mit mir lief. Dann gings über den voll besetzten Mühleplatz im Zentrum von Thun und weiter zur Thuner Allmend. Diese letzten 2 Kilometer zogen sich dann aber noch unglaublich in die Länge. Um 17.45 Uhr erreichte ich schliesslich als 24. das Ziel. Ich war sehr erstaunt über die gute Zwischenplatzierung, da ich dies aufgrund meiner Beinkrämpfe nie erhofft hatte. Mein Timing war übrigens perfekt: wir sassen gerade im Auto, bereit für die Heimfahrt, als ein heftiges Gewitter über Thun nieder ging.

Der 1. Tag hatte sehr viel Substanz gekostet und am Abend hatte ich nicht wirklich Hunger. Mein Körper war leer und erschöpft, nicht wirklich ein gutes Zeichen für den 2. Tag.

Am 2. Tag mussten wir erneut um 3.30 Uhr aufstehen, oh ich sehnte mich nach meinen am Montag beginnenden Ferien...

Um 6 Uhr wurde mit der Schwimmetappe im Thunersee gestartet. Es war wellig und die Strecke nicht so gut markiert, was das schwimmen erschwerte. Ich nahm mir aber Zeit und ging den Tag wiederum locker an.

Auf der wunderschönen Inlinestrecke rund um Thun gabs kaum flache Abschnitte. Das stetige auf und ab machten mir nichts aus. Man sah, dass die Teilnehmenden von den Strapazen des Vortags gezeichnet waren, das Tempo war ziemlich gemächlich. Es bestand Hoffnung auf weniger warmes Wetter, denn der Himmel war mit ein paar Wolken bedeckt. 

Spätestens auf der anschliessenden Rennrad-Etappe zerschlug sich diese Hoffnung. Die Sonne war da und brannte wieder mit voller Kraft vom Himmel. Mit 130 km und 1900 Höhenmetern war diese Etappe das Schlüsselstück vom 2. Tag. Ich hatte gute Beine und die Krämpfe waren weg. So konnte ich wieder ganz anständige Gänge drücken, was mir natürlich viel Zuversicht verlieh. Ich achtete darauf, dass ich nicht allzu viel alleine unterwegs war und immer wieder Anschluss an eine Gruppe finden konnte. Das erleichterte das Vorwärtskommen bis Broc ungemein. Am Jaunpass war es wieder unerbittlich heiss. Ich musste mein Tempo im Schlussaufstieg etwas zurück nehmen.

In Zweisimmen wechselte ich aufs Mountainbike. Die Originalstrecke über die Grimmifurggi und durchs Diemtigtal konne aufgrund des 1 Woche vor dem Gigathlon erfolgten Vetos eines erbosten Älplers nicht befahren werden. Stattdessen stand eine leichtere Strecke als Alternative bereit: entlang der Simme talauswärts nach Spiez. Gespickt war die Strecke mit 2 längeren Aufstiegen mit 400 resp. 300 Höhenmeter. Beide natürlich der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Vor allem beim 1. Aufstieg hatte ich eine Krise und kam nur schleppend voran. Ich wurde auch von einigen Singles überholt, was der Motivation nicht sonderlich dienlich war. Dennoch fokussierte ich mich voll auf mich und fuhr konstant mein Tempo weiter. Auch in den flächeren Passagen konnte ich das Tempo der an mir vorbei rauschenden Gruppen nicht mehr mitgehen. Die 3 Plätze, die ich auf dem Rennrad gut gemacht hatte, habe ich auf dem Bike wieder verloren. In Spiez war ich jedenfalls nicht traurig, dass die viel härtere Originalstrecke nicht befahren werden konnte...

Nur noch 1 Etappe bis ins Ziel: zu Fuss von Spiez nach Thun. Ich wollte unbedingt in den Top30 klassiert bleiben. Dafür musste ich aber noch einen anständigen Lauf hinlegen. Die Anstiege zu Beginn musste ich marschieren, doch sobald ich auf dem Spiezberg stand, gings 14 km mehrheitlich flach und abwärts bis Thun. Dies kam mir natürlich entgegen. Ebenso motivierend war die Begleitung durch meinen Supporter auf den letzten 12 km. Zudem hatte ich einen weiteren Single-Athleten im Nacken, den ich keinesfalls aufschliessen lassen wollte. So lief ich nun konstant dem Ziel in Thun entgegen. Ich holte vor mir keine weiteren Singles mehr ein, wurde aber von hinten auch nicht überholt. Die letzten Kilometer wurden zur mentalen Angelegenheit: wir waren schon fast auf der Panzerpiste und dennoch gings noch 4 km ins Ziel. Es wurde mir vor Augen geführt, wie weitläufig dass die Thuner Allmend eigentlich ist. Ich konnte mich aber bestens motivieren und war sehr erleichtert, als ich durch den langen Spalier an Zuschauern im Ziel in Thun einlief. Überglücklich über meinen 30. Rang, den ich so nicht erwarten durfte, genoss ich die Stimmung im Ziel. Nach all den durchgestandenen Strapazen war ich einfach froh, im Ziel zu sein. Minuten und Sekunden spielten überhaupt keine Rolle. Und wieder war mein Timing perfekt. Auch am Sonntag ergoss sich der Regen wieder über Thun, aber erst als wir abfahrtbereit im Auto sassen...

Fotos vom Gigathlon 2010 gibts hier...

Und zum Schluss gebührt mein Dank natürlich allen Personen in meinem Umfeld, die mich in der Vorbereitung und am Gigathlon seit Jahren immer unterstützen. Insbesondere danken möchte ich meinen Supportern, Eltern und den Sponsoren!